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40 Jahre Frühförderstelle Stadthagen

1977 gab es viele Dinge nicht, die heute für uns selbstverständlich sind. Es gab keine Handys und kein Internet, keine Privatsender im Fernsehen, keine Fahrradhelme und auch keine Anschnallpflicht im Auto. Es gab auch keine Einrichtung im Landkreis Schaumburg,  die Kinder mit Entwicklungsstörungen oder Behinderungen vor dem dritten Lebensjahr förderte.

Die praktischen Erfahrungen in der Betreuung von Kindern mit Beeinträchtigungen zeigten, dass eine erst mit dem dritten Lebensjahr einsetzende Förderung viel zu spät erfolgte. Wissenschaftliche Forschung auf dem Gebiet der Heilpädagogik, die damals noch Sonderpädagogik hieß, belegte zudem, dass Kinder mit einer geistigen Behinderung „bildbar“ (auch ein Begriff aus den 70ern) sind und dass gerade die ersten Lebensjahre eine entscheidende Bedeutung für die gesamte weitere Entwicklung eines Kindes haben.


Im November 1977 erfolgte auf Initiative der Lebenshilfe für das geistig behinderte Kind, Kreisvereinigung Schaumburg-Lippe e.V., ein Antrag an den Landkreis Schaumburg auf Einrichtung einer Frühförderstelle. Nachdem der Landkreis bestätigte, dass die sonderpädagogische Frühförderung eine Maßnahme der Eingliederungshilfe nach dem Bundessozialhilfegesetz für Kinder ist, die noch nicht im schulfähigen Alter sind, begann im Januar 1979 die Arbeit der Frühförderung Stadthagen. Zunächst gab es noch keine Räumlichkeiten. Der Vorsitzende des Vereins Lebenshilfe übernahm die organisatorischen Arbeiten. Eine Mitarbeiterin wurde für die Förderung eingestellt. Im Laufe des Jahres 1979 wurden 12 Kinder in die Frühförderung aufgenommen. Zeitgleich entwickelte sich auch in den anderen Landkreisen ein flächendeckendes Angebot von Frühförderstellen. Die Frühförderung Stadthagen hat sich von Anfang an gut vernetzt.

Die Geschichte der Frühförderstelle war in den 40 Jahren immer bewegt. Es brauchte einige  Zeit  und mehrere Stationen bis die Frühförderung ihren Ort gefunden hatte: 1982 gab es erste Räumlichkeiten in der Loccumer Straße. Fünf Mitarbeiterinnen förderten damals durchschnittlich 25 Kinder monatlich. 1987 zog die Frühförderung ins Dachgeschoß der neu gebauten Wohnanlage am Ostring 8. 1994 waren es bereits 11 Mitarbeiterinnen und durchschnittlich 76 Kinder, Tendenz weiter steigend. Um die Kosten für die Förderung zu deckeln, führte der Landkreis anstelle der Einzelfallabrechnung eine Budgetierung ein, die die Fördereinheiten pro Woche begrenzte. 2019 kehrt der Kostenträger zur Einzelfallabrechnung zurück.

Steigende Kinderzahlen führten dazu, dass das Raumangebot immer wieder angepasst werden musste. 1995 erfolgte der Umzug in eine Kellerwohnung in der Landsbergstraße, 1999 in eine Doppelhaushälfte im Krähenweg 3, 2003 in die Bahnhofstraße 27 (162 Kinder, 12 Mitarbeiterinnen). Mit dem Umzug in die für die Frühförderung neu gebauten Räume am Ostring 6 war 2008 die vorerst letzte Station erreicht. 19 Mitarbeiterinnen fördern durchschnittlich 300 Kinder im Monat.

2011 tritt die Lebenshilfe Stadthagen der Paritätischen Lebenshilfe Schaumburg-Weserbergland bei. Damit gehört nun auch die Frühförderung Stadthagen zur PLSW.

Einzelförderung im häuslichen Bereich ist nach wie vor in den meisten Fällen die beste und wirksamste Hilfe für Kinder und ihre Familien. Daneben bieten wir verschiedene Gruppenangebote, die sich über die Jahre gut bewährt haben und eine große Akzeptanz bei den Familien und beim Kostenträger finden. Beratungsangebote für die Eltern und  Personen der Tagesbetreuung ergänzen die Förderung.

Mit der Einführung des BTHG ergeben sich für die Frühförderung 2019 erneut große Veränderungen. Der Landkreis übernimmt zum ersten Mal selbst die Früherkennung und die Bedarfsermittlung, eine Aufgabe, die vorher die Frühförderstelle in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt innehatte. Der Fachdienst Eingliederungshilfe wurde zu diesem Zweck deutlich ausgebaut. Die Entwicklungsdiagnostik, die vorher im häuslichen Bereich stattfand, findet nun überwiegend in den Räumen des Sozialamtes statt.

Eltern, die sich um die Entwicklung ihres Kindes Sorgen machen, können sich für Informationen nach wie vor an ihren Kinderarzt oder die Frühförderstelle wenden oder sich direkt beim Fachdienst Eingliederungshilfe des Landkreises Schaumburg melden.

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