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Low Arousal

Es gibt Momente im Leben, auf die ist man nicht vorbereitet

Am 1. Juli war es soweit, die ersten beiden jeweils zweistündigen Infoveranstaltungen, zum Thema „Der Low Arousal-Ansatz – zum Umgang mit Herausforderndem Verhalten“, fanden in der „Alten Polizei“ in Stadthagen statt. Rund 180 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus allen Geschäftsbereichen der PLSW nahmen an den Veranstaltungen teil.

Thomas Feilbach, Dipl. Sozialpädagoge, Ausbilder für Low Arousal-Inhousetrainer und Mitarbeiter des Fachdienstes Autismus bei Autea.Bethel, konnte in einem ausgesprochen interaktiven Miteinander den Teilnehmern einen ersten Einblick zu diesem Ansatz vermitteln.

Als Teilnehmerin dieser Veranstaltung wurde mir sehr stark verdeutlicht, wie sehr es einfach ums „Mensch sein“ geht. Thomas Feilbach hat uns sehr viele Impulse mitgegeben. Es war eine sehr intensive und individuelle Veranstaltung, aus der man viel mitnehmen konnte.

Mit dem so genannten Low Arousal-Ansatz (Low Arousal = Niedriges Erregungsniveau) versucht Studio3, den Zirkel von herausforderndem Verhalten durch Klienten, Bewohner und Mitarbeiter auf der einen Seite und Angst und Hilflosigkeit von Mitarbeitenden/Angestellten Mitarbeitern auf der anderen Seite zu durchbrechen. Das Ziel ist es Deeskalation und Spannungsreduktion zu erreichen und möglichst schon im Vorfeld eine Erhöhung des Erregungsniveaus zu verhindern. Spannungsgeladene Situationen sollen entschärft werden, ohne sich in einen Machtkampf zu begeben oder die Würde des Menschen mit Beeinträchtigung zu verletzen.


Herausforderndes Verhalten

In der Informationsveranstaltung ging es anfangs um eine Auseinandersetzung mit Fragen zur Haltung und zum Menschenbild in Bezug auf Menschen mit Beeinträchtigung, die sich herausfordernd verhalten. „Herausforderndes Verhalten ist alles was mich nervt, mir weh tut, mir Angst oder mich sogar hilflos macht“, berichtet eine Teilnehmerin. Herausforderndem Verhalten sollte auf sanfte und respektvolle Art begegnet werden. Dies ist besonders wichtig, da der Aufbau und die Pflege einer positiven Beziehung zwischen Menschen mit Beeinträchtigung und Mitarbeitenden/Angestellte im sozialen Bereich Grundlage einer fördernden, konstruktiven und wertschätzenden Zusammenarbeit ist. Ein zentraler Aspekt der zugrundeliegenden Philosophie ist die Überzeugung, dass Mitarbeitende/Angestellte zunächst in der Lage sein müssen, mit dem Verhalten, das als schwierig erlebt wird, umzugehen und Situationen sicherer zu gestalten. „Wir bestimmen selbst, es geht ganz viel um Präventionsarbeit“, so Thomas Feilbach.

Ursachen und Auslöser

Gemeinsam sprachen wir über Verhaltensauffälligkeiten und Faktoren, die die Toleranzen beeinflussen. Wir erstellten eine rote Liste mit Fragen zum Thema „Was regt Sie auf?“,“ Was bereitet Stress?“ und eine grüne Liste mit der Frage „Womit tun Sie sich was Gutes?“


Umgang mit herausforderndem Verhalten

„Verhaltensstörungen werden häufig als Teil der geistigen Behinderung fehlgedeutet“, erklärt Thomas Feilbach. „Auch körperliche Erkrankungen können die psychischen Symptome hervorrufen, da der Schmerz von den Klienten, Bewohnern oder Mitarbeitern nicht verstanden wird.“ Er empfiehlt die Verhaltensänderungen gezielt mit Blick auf somatische Ursachen zu beobachten.
Ein wichtiger Bestandteil der Informationsveranstaltung war es, die eigene Sichtweise von herausfordernden Verhaltensweisen zu überdenken. Wir lernten grob Strategien und Sichtweisen kennen, die den Umgang mit herausforderndem Verhalten erleichtern.

Reflexion der eigenen Arbeitsweise und des eigenen Verhaltens
Ein besseres Verständnis für herausforderndes Verhalten und die Erkenntnis, an welchen Punkten Mitarbeitende/Angestellte unter Umständen selbst Teil des Problems sind, kann dazu führen, dass sie auch mehr Möglichkeiten haben, zu erkennen, wie sie Teil der Lösung werden können.

Reduktion von Anforderungen in Krisensituationen
Der Low Arousal-Ansatz – ein Ansatz, der ein niedriges Erregungsniveau anstrebt – beinhaltet auch die kurzfristige Reduktion von Anforderungen, denen Menschen mit Beeinträchtigung häufig ausgesetzt sind. Diese Reduktion kann dazu beitragen, spannungsgeladene Situationen zu entschärfen.

In Krisensituationen Anspannung rasch reduzieren, ein niedriges Erregungsniveau beibehalten, ein nicht-konfrontativer Ansatz zum Umgang mit herausforderndem Verhalten, ein wertschätzender Umgang auch in der Krise und die Reflektion des eigenen Verhaltens sind wichtige Ziele und Grundlagen des Low Arousal-Ansatzes. Alternative Wege, die Kommunikation in beiden Richtungen zu verbessern, gehören auch zu den ganz wichtigen Dingen.


Haltung, Motivation und Handeln

Wir sollten uns der Signale bewusst werden, die wir an Menschen senden, die aufgebracht sind. Denn wir leisten Beziehungsleistungen ethisch und gerecht. Thomas Feilbach stellte eine entscheidende ethische Prüffrage: „Wie möchten Sie in Krisensituationen begleitet werden? Welche Interventionen würden Sie als angemessen und wertschätzend erleben?“

Nach der Vermittlung theoretischer Grundlagen, die neue Betrachtungsmöglichkeiten des herausfordernden Verhaltens eröffnen, ist es nun Zeit, gemeinsam mit den Kolleginnen und den Kollegen sowie mit unseren Klienten z. B. über folgende Fragen nachzudenken:

  1. Wie können Anforderungen besser angepasst werden?
  2. Wie kann Selbstkontrolle gestärkt werden?
  3. Wie können Signale für Krisen gut dokumentiert werden?
  4. Wie können wir im Krisenfall reagieren?


Schreiben Sie doch mal Ihre eigene grüne und rote Liste mit Ihren Klienten, Bewohnern oder Mitarbeitern!

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