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„Wer, wenn nicht wir!“

PLSW trägt Inklusion noch mehr in die Gesellschaft

Wie kann Inklusion in den Köpfen und auch in den Herzen der Menschen ankommen? Das ist eine Frage, die Torben Schmidt umtreibt – und für die der Betriebsstättenleiter des Berufsbildungszentrums Hameln die Messlatte auch bei sich selbst hoch anlegt.


Mehr Teilhabe und mehr Möglichkeiten zu schaffen für Menschen mit Beeinträchtigungen ist in all den Jahren immer eines seiner vorrangigen Ziele gewesen. Was nicht nur für ihn, sondern auch für die Menschen, mit denen er arbeitet, immer wieder lebenslanges Lernen bedeutet hat und noch bedeutet. Diese Teilhabe und das lebenslange Lernen, sagt er, höre sich toll an, sei aber nicht so einfach.

Häufig stecke der Teufel im Detail. Insbesondere im Bereich der beruflichen Bildung habe sich in den vergangenen Jahren aber vieles weiterentwickelt. Neben dem fachlichen Aspekt der Qualifizierung spielten pädagogische Aspekte eine immer größere Rolle in der Arbeit seiner Kollegen, die mittlerweile Bildungsbegleiter genannt würden.


Ein Prozess über Generationen

Ein weiterer Punkt, auf den Torben Schmidt allergrößten Wert und Augenmerk legt, ist der der Inklusion, die er als einen „Prozess über Generationen“ ansieht. Man müsse ihr einfach Zeit geben. Inklusion, so ist sein Eindruck, werde häufig auf einzelne Aspekte reduziert. Aber sie sei doch eine gesamt-gesellschaftliche Aufgabe mit sehr viel mehr Aspekten.

Er zieht einen Vergleich: „Warum stehe ich denn vor einem Luxusfahrzeug und schaue es mir an? Weil es etwas Besonderes ist! Etwas, was ich im Alltag nicht habe. Ich glaube, viele Menschen haben mit dem Thema Inklusion im Alltag wenig Berührungspunkte, haben dann aber im Falle einer entsprechenden Situation das Gefühl, „Oh jetzt muss ich etwas richtig machen!“ Eigentlich sei es schön, wenn jemand etwas richtig machen wolle. Leider misslinge das aber oft – weil genau in jenem Moment die Unbefangenheit schon nicht mehr da sei.

Natürlich gebe es auf der anderen Seite auch Menschen – das will Torben Schmidt nicht schönreden – die mit Inklusion nichts anfangen, nichts damit zu tun haben wollen. Dennoch glaubt er, dass die meisten Menschen dem durchaus offen gegenüberstehen. Dieser Gedanke müsse aber noch mehr in die Gesellschaft getragen werden – was dann auch eine vorrangige Aufgabe der PLSW sei. „Wer, wenn nicht wir!“, sagt er.

Inklusion, das betont er mehr als einmal, müsse bei jedem selbst anfangen: Wie stehe ich zu den Teilnehmern, Mitarbeitern? In welcher Rolle bin ich? Sollte ich die Teilnehmer, Mitarbeiter, Besucher mehr einbeziehen? Wie schaffe ich das? Wie erreiche ich die größtmögliche Selbstbestimmung? – Das alles sind Fragen, mit denen er sich immer wieder auseinandersetzt und stellt dabei sein eigenes Verhalten, besonders den Menschen mit Beeinträchtigungen gegenüber, stets aufs Neue auf den Prüfstand. Wie es scheint, ist er der größte Kritiker seiner selbst


Inklusion beginnt mit der morgendlichen persönlichen Begrüßung

Mit scheinbaren Kleinigkeiten beginne das schon. So sei es ihm beispielsweise wichtig, jeden Morgen seine Mitmenschen mit Namen persönlich zu begrüßen. Das gehöre einfach zu seiner Grundhaltung. Wertschätzung und Respekt gegenüber allen zu vermitteln sei ihm wichtig. Verantwortung, sagt er, wolle er nicht einfach nur tragen – er wolle sie richtig tragen.

Von diesem Weg versucht er auch die Menschen um sich herum zu überzeugen.  Zum eigenen Reflektieren will er anregen und ist sich sicher, dass er darüber Gedanken und Herzen für dieses Ziel besser öffnen kann.


„Etwas für das Leben lernen“

Wie wird jemand Betriebsstättenleiter in einem Berufsbildungszentrum für Menschen mit Beeinträchtigungen? Torben Schmidt schildert seinen Werdegang.

Zunächst studierte Torben Schmidt Politik, Geschichte, Pädagogik und Jura, nebenbei engagierte er sich in der Kommunalpolitik – was er immer noch tut. Im Studium fühlte er sich jedoch irgendwann fehl am Platz und wollte lieber „etwas für das Leben lernen“: Er machte eine Ausbildung zum Heilerziehungspfleger, arbeitete danach zunächst als Gruppen-Zweitkraft in einer Wohnanlage, dann als Springkraft in einer Werkstatt, bevor er Gruppenleiter in einer Tagesförderstätte wurde.

Was dann kam? Reichlich schnell ging es voran, stellt Torben Schmidt nahezu verwundert fest: „Wie war das denn damals? Teamsprecher, Teamleiter, Bereichsleiter, Betriebsstättenleiter, und eigentlich das Ganze in vier, fünf Jahren. Das war spannend, sehr spannend.“Nun ist er bereits zehn Jahre bei der PLSW, davon im sechsten Jahr in Hameln im Berufsbildungszentrum als Betriebsstättenleiter. Immer wieder sei Neues hinzugekommen. „Neue Bereiche, für die man dann Verantwortung übernehmen musste. Für die ich Verantwortung übernehmen musste.“


Das Interview mit Torben Schmidt führten Nina Happel und Timon Sabolowitsch

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